Die meisten Fotografen, die heute einsteigen, greifen sofort zu einer spiegellosen Kamera oder einem High-End-Smartphone. Ich habe das auch gemacht. Aber vor fünf Jahren kaufte ich auf einem Flohmarkt eine alte Pentax 6×7. Der erste Film war ein Desaster. Die Belichtung daneben, die Schärfe daneben, alles falsch. Trotzdem hat mich dieser Fehlschlag mehr gelehrt als jeder Online-Kurs zur digitalen Nachbearbeitung. Seitdem arbeite ich hybrid: analog aufnehmen, digital entwickeln. Und ich bin nicht allein. Ein gutes Beispiel für diese Synthese findet sich auf der Thomas Spitzer Webseite, der seit Jahren analoge und digitale Techniken kombiniert. Thomas Spitzer Webseite zeigt, wie man beides sinnvoll verbindet, statt sie gegeneinander auszuspielen.
Viele denken, analog sei tot. Das stimmt nicht. Die Auflösung eines Mittelformatnegativs übertrifft selbst die meisten Vollformat-Digitalkameras. Ein 6×7-Negativ entspricht etwa 50 Megapixeln – allerdings ohne Bayer-Interpolation und mit einem echten, filmtypischen Farbverlauf. Das sieht anders aus. Weicher, aber detailreicher. Ich habe 24-Megapixel-DSLR-Bilder und Mittelformat-Scans nebeneinander gelegt. Die analogen Aufnahmen wirken räumlicher, auch wenn sie weniger Schärfe in den Ecken haben. Der Grund liegt in der Kornstruktur. Sie bricht das Licht anders als ein digitaler Sensor. Für Porträts ist das Gold wert.
Warum analoge Fotografie immer noch relevant ist
Digitalkameras messen alles aus. ISO, Weißabgleich, Rauschunterdrückung. Das ist bequem, aber es nimmt einem die Entscheidung ab. Bei einer analogen Kamera müssen Sie vorher wissen, welchen Film Sie einlegen. ISO 100 für helle Tage, ISO 400 für drinnen, ISO 800 für wenig Licht. Und Sie können den Film nicht mitten im Roll wechseln. Das zwingt Sie, sich auf eine Szene einzulassen. Ich habe angefangen, für jedes Shooting nur einen Film (12 Bilder) mitzunehmen. Das Ergebnis: Ich überlege dreimal so lange vor dem Auslösen. Die Ausbeute an guten Bildern stieg von 10 auf 40 Prozent. Das ist kein Zufall. Es ist Training für den Blick.
Ein weiterer Punkt ist die Haltbarkeit. Digitale Dateien gehen durch defekte Festplatten oder verlorene Speicherkarten verloren. Ein gut gelagerter Film hält Jahrzehnte. Ich habe Negative aus den 1970ern gescannt, die immer noch scharf sind. Wer Fan von Archivierung ist, kommt an analog nicht vorbei. Allerdings müssen Sie scannen. Das kostet Zeit. Aber die Mühe lohnt sich.
Praktische Tipps für den Einstieg in die analoge Fotografie
Sie müssen nicht gleich eine Mittelformatkamera kaufen. Starten Sie mit einer 35-mm-Kamera. Die gibt es gebraucht für unter 100 Euro. Achten Sie auf die Lichtteller, ob sie noch richtig arbeiten. Ich empfehle eine Kamera mit manueller Fokussierung und Blendenvorwahl, zum Beispiel eine Canon AE-1 oder eine Nikon FM2. Dann brauchen Sie einen Film. Anfänger sollten mit einem Farbnegativfilm wie Kodak Portra 400 oder Fuji Superia 400 beginnen. Der Belichtungsspielraum ist groß. Sie können zwei Blenden unter- oder überbelichten und trotzdem ein auswertbares Bild bekommen. Entwickeln lassen können Sie die Filme in jedem guten Fotolabor. Oder selbst machen. Für den Start reicht das Labor.
Der wichtigste Tipp: Notieren Sie sich die Belichtungsdaten jedes Bildes. Ich führe ein kleines Heft. Blende, Zeit, Film, Entfernung. Wenn ein Bild schiefgeht, kann ich genau nachvollziehen, woran es lag. Das ist besser als tausend YouTube-Tutorials.
- Kamera wählen: 35 mm ist günstiger und leichter als Mittelformat.
- Film auswählen: Farbnegativ für Anfänger, Diafilm für geübte Belichter.
- Entwicklung: Labor für die ersten zehn Rollen, dann selbst ansetzen.
- Scannen: Ein Flachbettscanner mit Durchlichteinheit reicht für 1500 Pixel Kantenlänge.
- Nachbearbeitung: Weißabgleich und Kontrast in Lightroom, nicht mehr.
- Archivierung: Negative in säurefreien Hüllen, kühl und trocken lagern.
Ergebnisse vergleichen: analog vs. digital
Ich habe einen Test gemacht. Ein Porträt mit der digitalen Spiegelreflex (Canon 5D Mark IV, 50 mm 1.4) und direkt danach mit der Pentax 6×7 (105 mm 2.4) auf Kodak Portra 400. Beide bei Blende 2.8. Das digitale Bild war scharf, kontrastreich, farbtreu. Das analoge Bild hatte einen leichten Rotstich, weniger Mikrokontrast, aber eine weiche Zeichnung in den Hauttönen. Als ich beide in Lightroom bearbeitete, brauchte ich beim digitalen weniger Arbeit – es war schon fast perfekt. Beim analogen korrigierte ich den Farbstich und erhöhte den Kontrast leicht. Am Ende gefiel mir das analoge besser. Es wirkte weniger klinisch. Die Person auf dem Bild sah aus wie ein Mensch, nicht wie ein Werbeplakat.
Das heißt nicht, dass digital schlecht ist. Für schnelle Aufträge oder Situationen mit wenig Licht ist digital überlegen. Aber wenn ich Zeit habe und ein bestimmtes Gefühl erzeugen will, nehme ich die analoge Kamera. Kombiniere ich beides, entstehen Serien, die verschiedene Stimmungen abdecken. Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit von Thomas Spitzer. Auf seiner Thomas Spitzer Webseite finden Sie Porträts, die genau diese Mischung zeigen: analoge Tiefe und digitale Präzision. Ich empfehle jedem, der fotografiert, mindestens einen Film zu belichten. Die Erfahrung verändert den Blick aufs Handwerk.
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